Kann aus Trauer eine Krankheit werden?

Aktualisiert: 2. Aug 2019

Wenn wir einen nahestehenden Menschen verlieren, müssen wir es lernen mit unserem Verlust zurechtzukommen. Dies geschieht in einem Trauerprozess. Menschen erleben diesen Prozess sehr unterschiedlich. Neben den individuellen Einflussfaktoren wie unserem psychischen Allgemeinzustand, unseren Vorerfahrungen und Prägungen, spielen die jeweiligen Todesumstände oder auch kulturelle Einflüsse eine Rolle.

Manchmal entwickeln Trauernde eine ausgeprägtere, länger anhaltende Symptomatik, die dann zu Einschränkungen in anderen wichtigen Lebensbereichen führen kann.


Intensiver Trennungsschmerz

Einen geliebten Menschen zu verlieren, kann zu einer gewaltigen Lebenserschütterung führen. Wer trauert, erlebt einen intensiven Trennungsschmerz. Manchmal entwickelt sich eine starke Sehnsucht nach dem Verstorbenen oder die Betroffenen ziehen sich aus ihren sozialen Kontakten und ihrer Umgebung zurück. Es entstehen Stresssymptome, die auch physisch messbar werden und im Lauf der Wochen und Monate nach dem Ereignis wieder abklingen. In dieser Zeit erleben wir Zeiten widerstreitender Gefühle: vielleicht geraten wir in Wut über das Geschehene, wir wollen nicht wahr haben was passiert ist oder wir fühlen uns entsetzlich allein gelassen und empfinden starke Sehnsucht. Oft wissen wir nicht ein noch aus und fragen uns, wie unser Leben überhaupt noch weitergehen kann.


Trauer als Teil unseres Lebens

All dies ist unangenehm und oft genug erschütternd, wir erleben unruhige Zeiten, die unsere ganze Kraft erfordern. Zeiten der Traurigkeit, aber auch immer wieder Lichtblicke. Ein Auf und Ab der Gefühle. Trauer und Verlust gehören zu unserem Leben wie andere Lebenserfahrungen auch. Trauer an sich ist also keine psychische Erkrankung, sondern Teil unseres Lebens und die normale Reaktion auf einen Verlust. Trauernde pendeln häufig zwischen Verlustorientierung und der Orientierung an Neuausrichtung und Veränderungen. Das Zusammenspiel zwischen beiden Bewältigungsstrategien bringt letztlich die Veränderung. Trauer ist ein heilsamer Prozess, den man auch als Entwicklungsprozess verstehen kann.


Anhaltende Trauerstörung

Ein Teil der Trauernden erlebt diesen Trauerprozess jedoch anders: die Symptome nehmen im Lauf der Zeit nicht ab, sondern verkomplizieren sich und halten insgesamt länger an. Es stellen sich zusätzlich noch andere Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen ein und man kann sich mit der Situation einfach nicht abfinden. Die Wissenschaft spricht von "komplizierter Trauer" oder "traumatischer Trauer" und hat sich schießlich auf den Begriff "anhaltende Trauerstörung" geeinigt, um diesen veränderten Trauerprozess abbilden zu können.


Die WHO überlegt derzeit, ob länger anhaltende Trauer als Krankheit, bzw. als psychische Störung definiert werden sollte. Dies ist jedoch umstritten. Wir Menschen trauern individuell und auch die Zeit der Trauer gestaltet sich unterschiedlich lang. Gerade diese Vielfalt macht eine Abgrenzung von normaler Trauer zu erschwerten Trauerprozessen schwierig.


Therapeutische Unterstützung

Manchmal tritt Trauer gemeinsam mit anderen Störungen auf. Manche Menschen geraten in Angst oder Depression und auf diese Weise kann Trauer auch in andere Erkrankungen münden, die eine therapeutische Unterstützung erforderlich machen.


Haben Sie Fragen? Wünschen Sie eine Terminvereinbarung?

Sie erreichen meine Praxis für Traumatherapie in Fürth telefonisch

unter 0911 78 74 955 oder per E-Mail unter kontakt@ulrike-englmann.de

oder Sie nutzen das Kontaktformular.

Praxis für Psychotherapie (HPG) und Traumatherapie Nürnberg - Fürth - Erlangen

3 Ansichten

ULRIKE ENGLMANN

Praxis für Traumatherapie  I  Hypnosystemische Trauertherapie | Trauerbegleitung

Systemische Beratung und Coaching | Psychotherapie (HPG)

Wiesenstraße 20  I  90765 Fürth  I  kontakt@ulrike-englmann.de  I  Tel: 0911 - 78 74 955