Wie man mit Lebenskrisen umgehen kann

Aktualisiert: 27. Nov 2019

Lebenskrisen sind oft kaum zu ertragen und stellen das ganze bisherige Leben auf den Kopf. Plötzlich erscheint nichts mehr wie es war und nichts mehr wirklich sicher. Man zweifelt an vielem und stellt plötzlich kritisch in Frage, was man bisher im Leben erreicht hat.

Wie kommt es dazu? Lebenskrisen entstehen vielfach aus dem Verlust bisheriger Sicherheiten. Ein sicher geglaubter Teil des Lebens fällt weg, z. B. durch eine unerwartete Krankheit oder den plötzlichen Tod eines Angehörigen und das bringt einschneidende Lebensveränderungen und Unsicherheiten mit sich. Man muss sich neu orientieren, um wieder festen Boden unter den Füßen zu erhalten.


Menschen brauchen Sicherheit und ein gefestigtes Selbstbild für ein gelingendes Leben sowie zuverlässige soziale Beziehungen und vor allem auch Routinen, die die Bewältigung des Alltags ermöglichen und das Leben strukturieren. Eine Lebenskrise bringt all dies erst einmal durcheinander. Die Folge sind emotionale Belastungen, sorgenvolle Gedanken und häufig auch Konflikte mit dem Umfeld. Alles ziemlich unangenehm.


Wie entstehen Lebenskrisen?

Oft sind Erschütterungen, einschneidende oder sogar traumatisierende Erlebnisse, der Auslöser für eine Lebenskrise. Krisen entstehen aber auch auf anderem Weg. Manchmal sind sie die Folge eines schon mehrere Jahre andauernden Entwicklungsprozesses, im Laufe dessen man sich plötzlich fragt: will ich das alles überhaupt noch so? Direkte Auslöser von Lebenskrisen können beispielsweise plötzliche Todesfälle sein, Mobbing, Verlust des Arbeitsplatzes, schwere Erkrankungen oder auch ungewollte Kinderlosigkeit, Partnerschaftskonflikte und Scheidungen – und das alles ganz unabhängig vom Alter oder vom sozialen Status der betreffenden Person.


Man kann jedoch nicht davon ausgehen, dass ein einzelnes schreckliches Ereignis unweigerlich in eine Lebenskrise führt. Die Ursachen sind weit komplexer und die allgemeine Gesundheit und Widerstandskraft des Betroffenen sowie seine Einstellung zum Leben spielen dabei eine Rolle. Manchmal entstehen Krisen in der Lebensmitte, wenn man denkt, jetzt hat man alles geschafft und erreicht. Doch gerade in dieser Phase erlebt man tiefgreifende Veränderungen im Leben: Die Kinder gehen aus dem Haus, die eigenen Eltern sterben, man muss sich mit dem eigenen Altern und Tod auseinandersetzen. Vieles gelingt nicht mehr so leicht wie früher. Und schon landet man bei Fragen wie: Welchen Sinn hat das jetzt alles noch? Was kann ich mit der verbleibenden Lebenszeit anstellen? Welche Ziele setze ich mir noch?

Woran erkannt man eine Lebenskrise?

Lebenskrisen weisen meist eine Reihe von Aspekten oder Symptomen auf, die miteinander zusammenhängen. Viele Menschen fragen in diesen Krisenzeiten nach dem eigentlichen Sinn ihres Lebens. Sie leiden unter Stimmungsschwankungen, Unsicherheit und Verlustängsten oder sind antriebslos, kämpfen mit negativen Gedanken und reagieren zunehmend gereizt auf die Anforderungen der Umwelt. Oft kommen auch psychosomatische Beschwerden dazu, wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder Schlafstörungen, Atemnot und Herzrasen. Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Bei schrecklichen Erlebnissen, wie Todesfällen oder Unfällen, können auch Traumatisierungen dazu kommen.

Die Krise als Chance?

Krisen beinhalten auch Chancen. Sie bieten Anlass, die bisherigen Lebensziele zu überdenken und sich neu zu orientieren. Dies gelingt nicht von heute auf morgen. Häufig liegt vor dem Betroffenen ein langer Weg und manchmal benötigt man professionelle ärztliche und/oder therapeutische Hilfe, um ihn gehen zu können. Viele Menschen berichten davon, dass sie das was sie in der Krise gelernt haben, nicht mehr missen möchten und dass es hinterher möglich wird, bisher ungelebte Teile des Lebens zu leben.


Wie können Bewältigung und Neuorientierung gelingen?

Zunächst einmal ist es hilfreich, die eigene Lebenssituation zu reflektieren und sich selbst Raum und Zeit zu geben. Lebenskrisen haben nicht nur eine einzige Ursache. Man kann sie erst verstehen, wenn man sich mit der gesamten gesundheitlichen Situation und mit der eigenen Lebenssituation auseinandersetzt.

Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen und auch einmal über nicht alltägliche Themen wie der Frage nach dem Sinn des Lebens oder der eigenen Spiritualität nachzugehen. Welche grundlegenden Muster und Prägungen bringe ich mit? Was ist für mich handlungsleitend geworden? Was ist mir wirklich wichtig im Leben? Wonach habe ich Sehnsucht? Was macht mich selbst aus? Worum kreisen meine Gedanken unablässig und wie komme ich aus diesen Gedankenspiralen heraus? Wie gehe ich mit negativen Gedanken und Emotionen um? Wie finde ich neuen Sinn in meinem Leben?

Diese und ähnliche Fragen bringen auf die richtige Spur.


In einem nächsten Schritt können unerwünschte Routinen und Abläufe verändert werden. Dazu ist ein längerer Lernprozess nötig. Oft ist es hilfreich, eine Entspannungstechnik zu erlernen, um wieder in Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen. Der Weg aus der Krise führt zum einen zur Frage nach ihren Ursachen, zum anderen über die Entwicklung positiver Lösungsansätze und neuer Lebensperspektiven. Sollten traumatische Auslöser zu Grunde liegen, sollten auch diese thematisiert werden. Allmählich setzt dann ein Prozess des Umdenkens und der Verhaltensänderung ein und die Lebensfreude kehrt zurück. Krisen können auch als Wachstumsaufgabe verstanden werden. Ein Bambus bildet nach einem gewissen Stück des Wachstums einen Knoten, danach geht es wieder weiter. Die Knoten stabilisieren den Stab. Schließlich lernt man, den eigenen Alltag, das eigene Leben wieder aktiv selbst zu gestalten und sich neu zu orientieren. Anderes wird wichtig, der Sinn verändert sich.

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ULRIKE ENGLMANN

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