Trauer am Arbeitsplatz

Aktualisiert: 2. Aug 2019

Wie kann man trauernde KollegeInnen am Arbeitsplatz unterstützen?

Was können Unternehmen tun?

Trauer im Unternehmen

Oft fällt es Trauernden unendlich schwer, nach einem Todesfall wieder ins Leben zurückzufinden. Vieles hat sich verändert, nicht nur äußerlich, auch die Sicht auf das eigene Leben ist eine andere geworden. Das berufliche Umfeld kann erheblich dazu beitragen, wie Trauernde oder unheilbar kranke KollegInnen das erfahrene Leid bewältigen können. Als Trauernde(r) fragt man sich, wie die Kolleginnen und Kollegen reagieren werden. Komme ich überhaupt wieder an meinem Arbeitsplatz zurecht? Wie reagiere ich auf Fragen? Soll ich von mir aus etwas erzählen? Oder will ich einfach nur in Ruhe gelassen werden?

Auch wenn sich der Betrieb Hilfe durch professionelle BeraterInnen geholt hat, kommt die eigentliche Unterstützung in einer Trauer- oder Verlustsituation von den direkten ArbeitskollegInnen, den Führungskräften und der Mitarbeitervertretung. Werden Notfallversorgung, Trauerbegleitung und Verlustbewältigung zu einer reinen Aufgabe von Spezialisten, wirkt dies abschreckend auf die direkten Kollegen. Sie fühlen sich von vornherein ausgeklammert und werden das Thema eher ignorieren und dazu schweigen.

David Charles-Edwards beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Trauer am Arbeitsplatz. In einer Reihe von Fallstudien hat er seine eigenen Erfahrungen in der Beratung von Unternehmen ausgewertet, die seine Unterstützung in Anspruch genommen hatten.


Im Unternehmen eine eigene Trauerkultur entwickeln

Jedes Unternehmen sollte eine eigene Trauerkultur entwickeln, die alle Mitarbeitenden befähigt und ermutigt, Mitgefühl und Menschlichkeit zu zeigen. Dies wird den Zusammenhalt und die Motivation im Unternehmen fördern. Dabei gehört es zu den Aufgaben der Führung, einerseits die trauernde Person einfühlsam und angemessen zu begleiten, andererseits aber auch dafür zu sorgen, dass die Organisation selbst lernt, mit der Situation umzugehen und dass die anfallenden Arbeitsaufgaben weiterhin erfüllt werden können.


Präventionsmaßnahmen

Management und Führungskräfte sollten ein grundlegendes Verständnis für Trauerprozesse entwickeln und sich bewusst machen, dass jeder Trauerprozess anders verläuft und die Trauernden eine „Achterbahnfahrt“ durchleben. Spezialisierte OrganisationsberaterInnen und Coaches können hier grundlegendes Wissen vermitteln und gemeinsam mit Management und Führung einen Notfallplan erarbeiten, der im Ernstfall schnelle Hilfe bietet. Außerdem sollten die Adressen von Notfallseelsorgern, Beratungsstellen und offiziellen Hilfsstellen bekannt sein. Innerhalb des Unternehmens sollte ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen, der zum einen im Notfall die Koordination der Aktionen übernehmen kann, aber auch das Thema insgesamt verantwortet. Folgende Fragen stellen sich bei einem Todesfall im Unternehmen sofort:

  • Benötigen die Angehörigen und die Familie Unterstützung im Hinblick auf die Bestattung? Ist Hilfe überhaupt erwünscht? Kann andere praktische Hilfe organisiert werden?

  • Will sich das Unternehmen an der Bestattung beteiligen? Wenn ja, wie?

  • Welche Sofortmaßnahmen können die Arbeitskollegen ergreifen? Soll eine interne Trauerfeier organisiert werden?

  • Wie kann der Kontakt zu den Angehörigen angemessen gestaltet werden?

  • Welche langfristigen Maßnahmen zur Unterstützung der Angehörigen können ergriffen werden?

  • Welche rechtlichen Fragen sind zu beantworten?

  • Wie kann dem Trauernden die Rückkehr in den Arbeitsalltag erleichtert werden?


Schwierige Umstände machen es manchmal erforderlich von Anfang an einen externen Berater hinzuzuziehen, z. B.

  • der Tod von Kindern oder sehr jungen Menschen

  • Tod durch einen Unfall

  • Arbeitsunfälle und Unglücke

  • Gewalttaten

  • Suizide

Hilfreich ist es auch oft, wenn Führungskräfte auf eine Begleitperson an der Seite haben, die ihnen eine gewisse Zeit lang als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Auch kleinere offene Gesprächsgruppen für Mitarbeitende und Führungskräfte helfen, das Geschehene zu verarbeiten.

Quelle: Charles-Edwards, David (2009): „Empowering people at work in the face of death an bereavement“, in: Death Studies, Vol. 33, Nr. 5, S- 420-436.


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